Nur Fliegen ist schöner: Spotter sind am Flughafen Frankfurt stets willkommen

J.Heppner Faszination Fliegen

Ihre Bilder zeichnen eine ganz eigene Ästhetik des Fliegens und laden zu virtuellen Traumreisen ein:  Spotter fotografieren startende und landende Flugzeuge. Am Flughafen Frankfurt finden sie dank des weltweiten Streckennetzes nicht nur stets neue Motive und abwechslungsreiche Perspektiven, sondern in Martin Stiller auch einen Fraport-Mitarbeiter, der sich offiziell um die Spotter-Gemeinde kümmert.

Martin Stiller ermöglicht auf seinen Touren am Flughafen Frankfurt so einiges, aber diese Choreographie ist nicht inszeniert, sondern schlicht ein schöner Zufall. Majestätisch schiebt sich die markante Nase eines Jumbo-Jets ins Blickfeld, gefolgt von der imposanten Silhouette eines A 380, der einen weiteren Giganten der Lüfte quasi im Schlepptau hat. Fasziniert beobachtet die Gruppe neben dem Rollfeld mit den neongelben Warnwesten die Parade auf dem Weg zur Startbahn, unablässig klicken die Kameras und Martin Stiller verschränkt verschmitzt lächelnd die Arme.

Bilder wie diese sind für jemanden, der seit 15 Jahren an einem der weltweit größten Luftverkehrsdrehkreuze in der Unternehmenskommunikation arbeitet, Alltag. Aber nicht für die Gruppe, die Stiller an diesem Tag begleitet, obwohl die Besucher bestens informiert sind über Flugzeugmuster, Sonderlackierungen oder Airline-Logos.

Spotter

Faszination vom Fliegen

Schon als Kind baute Stiller Modellflugzeuge. Während des Studiums der Wirtschaftswissenschaften in Stuttgart-Hohenheim zog es ihn immer wieder zum Flughafen, dort stand er am Zaun und betrachtete die Maschinen. Seit 1998 arbeitet er bei der Fraport AG, ein Glücksfall für ihn – und für den Flughafen, denn Stiller kümmert sich neben seiner Tätigkeit als Referent für Politische Kommunikation als offizieller Spotter-Beauftragter um diejenigen, die mit reizvollen Bildern die Faszination vom Fliegen immer wieder neu in die ganze Welt hinaustragen.

Begehrte Touren

Frankfurt ist nicht nur wegen seiner Größe der Solitär in der deutschen Airport-Landschaft, sondern auch wegen seines globalen Streckennetzes mit rund 300 Destinationen weltweit. 1.400 Starts und Landungen verzeichnet der Flughafen täglich, unablässig rollen von morgens bis in den Abend hinein Flugzeuge zum Gate oder zur Startbahn, in den Wartungshangar oder auf eine Vorfeldposition. Zahlreiche internationale Fluggesellschaften starten und landen ausschließlich hier, so dass die Spotter teilweise weite Anfahrtswege auf sich nehmen. Meistens müssen sie sich mit einem Platz auf einem der Aussichtspunkte begnügen, doch mehrmals im Jahr organisiert Stiller sogenannte Spotter-Touren.

An diesem Tag sitzt auch ein junger Mann aus Zürich im Bus, neben sich die Foto-Tasche samt High-Tech-Kamera und Objektiven. Wie die anderen Spotter hat er sich extra frei genommen, das Ruhrgebiet ist gut vertreten, aus München sind ebenfalls zwei Gäste angereist. Die Spotter-Touren in Frankfurt sind begehrt. Stiller fährt nicht nur bestimmte Positionen auf dem Vorfeld an, von denen sich spektakuläre Bilder schießen lassen. In Abstimmung mit den jeweiligen Fluggesellschaften dürfen die Besucher eine Maschine ganz nah von außen und manchmal auch von innen besichtigen.

SpotterApplaus für neuen Aussichtspunkt

Stiller erklärt, warum sich der Flughafenbetreiber in diese Richtung engagiert: „Flughäfen üben stets eine große Faszination aus. Der Flughafen Frankfurt ist immer schon ein beliebtes Ausflugsziel gewesen und ein wichtiger Teil des Freizeitangebots in der Region.“ Damit die Besucher zwischen unterschiedlichen Perspektiven wählen können, gibt es neben der Besucherterrasse zusätzliche Aussichtspunkte. Dort stehen Familien, Ausflügler, Radfahrer und eben auch die Spotter. Der eine „sammelt“ Sonderlackierungen, der andere Oldtimer, der nächste lichtet nur exotische Airlines ab. Manche stehen mitten in der Nacht auf, um einen Blick auf die „Air Force One“ zu ergattern.

Vor zwölf Jahren verfolgten über 2.000 Menschen vom Aussichtspunkt am Luftbrückendenkmal die Premieren-Landung eines Airbus A380 in Frankfurt. Und als vor sechs Jahren die „Konrad Adenauer“ mit Bundeskanzlerin Angela Merkel an Bord als erstes Flugzeug die neue Landebahn Nordwest einweihte, standen auf Einladung von Fraport nicht nur zahlreiche Medienvertreter auf der „Düne“, sondern auch Spotter. Als dieser Aussichtspunkt im Frühjahr 2016 neu gestaltet wurde, applaudierte die Fraport-Community bei Facebook und sparte nicht mit lobenden Kommentaren.

Ursprung in England

Kleiner Exkurs: Der Begriff „Spotten“ leitet sich vom englischen Verb „to spot“, beobachten, ab. Den Ursprung hat das Spotten in England. Im Zweiten Weltkrieg rief die britische Regierung ihre Bevölkerung dazu auf, das Militär durch möglichst genaue Informationen über die feindlichen Flugbewegungen zu unterstützen. Dafür verteilte sie Abbildungen der Flugzeugtypen. Flogen deutsche Militärmaschinen über englische Städte hinweg, notierten die Einwohner Richtung, Anzahl und Flugzeugtypen und meldeten sie. Bis heute pflegen zahlreiche englische Spotter dieses Hobby, glücklicherweise nur noch in rein friedlicher Mission.

Doch auch die Spotter-Szene in Deutschland hat sich gewandelt. Früher trafen sich die eingefleischten Spezialisten auf Tauschbörsen, hantierten mit Dias und Postkarten, erinnert sich Stiller. Heute zirkulieren in zahlreichen Foren im Netz Hunderttausende von Bildern, liebevoll bearbeitet von den Sammlern und von Betrachtern in aller Welt ausführlich kommentiert.

Gruß vom Piloten

Und so dauert es nicht lange, bis ein ungewöhnliches Bild von der Spotter-Tour, die wir begleiten, in den sozialen Netzwerken auftaucht. Ein Passagier, offenbar ebenfalls Teil der Spotter-Community, hat die Gruppe auf dem Vorfeld, dekorativ eingerahmt von Bodenmarkierungen, aus dem Flugzeug heraus fotografiert und in einem entsprechenden Facebook-Forum gepostet. Auch den Piloten bleibt meist nicht verborgen, dass sich gerade mehr als ein Dutzend Kameraobjektive auf ihr Flugzeug richten, viele von ihnen winken der Gruppe aus dem Cockpit freundlich zu. Dann scheucht Martin Stiller die Gruppe zurück in den Bus, schließlich soll gleich ein Airbus A350 landen und zum Gate rollen. Der junge Mann aus Zürich strahlt. Genau dieser Flugzeugtyp fehlt ihm noch in seiner Sammlung. Die Fahrt zum Flughafen Frankfurt hat sich gelohnt.

www.fra-spotterforum.de

http://www.frankfurt-airport.com/de/faszination-airport/flughafen-entdecken.html

 

Anhang(pdf, mp4)

ruda_25_spotter_tour.mp4