So parkt die Zukunft: Die Experten am Flughafen haben alles im Blick

J.Heppner Flanieren

Zukunft

An Spitzentagen starten und landen mehr als 210.000 Passagiere am Flughafen Frankfurt, gut die Hälfte von ihnen sind Umsteigepassagiere, sie reisen mit dem Flugzeug an und weiter. Die andere Hälfte hat die Wahl an Deutschlands größtem Verkehrsknotenpunkt: Bus? Bahn? Oder doch das eigene Fahrzeug?

Immerhin rund 40 Prozent der Originärpassagiere nutzen das Auto. Ihnen stehen mehr als 15.000 öffentliche Parkplätze in den Terminalparkhäusern und auf dem Holiday-Parkplatz sowie zahlreiche komfortable Services zur Verfügung.

Unaufhaltsamer Fortschritt

Als 1973 das erste Mobiltelefon entwickelt wurde, konnte man damit telefonieren. Mehr nicht. Heute steuern die digitalen Minicomputer die heimische Heizung, ermöglichen den Check-in für den nächsten Flug oder dienen als virtuelles Parkticket, wenn man vorab seinen Stellplatz im Terminalparkhaus am Flughafen Frankfurt online gebucht hat.

So funktioniert’s: Kaum nähert sich Max Mustermann dem größten Luftverkehrsdrehkreuz Deutschlands, erscheint seine mobile Parkkarte dank GPS-Signal auf dem Sperrbildschirm oder in der Wallet des Mobiltelefons. An der Schranke hält er den QR-Code vor den Scanner. Sobald Mustermann das Auto abgestellt hat, meldet sich sein Handy: Das Parksystem hat die Parkebene und Reihe in der Parkkarte ergänzt oder an die hinterlegte E-Mail-Adresse geschickt, wenn die Wallet-Funktion noch nicht verwendet wird.

Bequem und attraktiv

Die digitale Parkkarte ist das neueste Feature, mit dem das Fraport-Parkraummanagement den Reiseprozess für den Kunden noch komfortabler gestaltet. Ohnehin erfreut sich die Online-Buchung eines Parkplatzes am Flughafen Frankfurt immer größerer Beliebtheit, mittlerweile nutzen mehr als 70 Prozent der Urlaubsreisenden das Angebot, einen Stellplatz maximal neun Monate im Voraus zu reservieren.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Es ist bequem, bietet einen attraktiven Preisnachlass von bis zu 61 Prozent und ist mit wenigen Klicks schnell geschehen. „Die Kunden legen immer mehr Wert darauf, schon vor Reiseantritt möglichst viele Punkte in der Reiseprozesskette erledigt zu haben“, erklärt Kristina Moll, Leiterin Vermarktung und Optimierung beim Parkraummanagement.

Umfangreiches Aufgabengebiet

Dass nicht nur der Park-Verkehr an einem Großflughafen wie Frankfurt reibungslos läuft, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern das Resultat akribischer Detailarbeit. Vergessene Koffer, die zu Verkehrsumleitungen führen, festgefahrene Busse in Parkhauseinfahrten oder vom Herrchen getrennte Hunde im Aufzug halten die rund 170 Beschäftigten des Bereichs „Parkraummanagement und landseitige Verkehrsanbindung“ (so die korrekte Bezeichnung) auf Trab – rund um die Uhr, im Drei-Schicht-Betrieb, zentral überwacht von drei Leitwarten.

Neben den öffentlichen Parkhäusern sowie den Mitarbeiter- und Lkw-Parkplätzen sind sie für die gesamte straßengebundene landseitige Verkehrsanbindung des Flughafens, die Steuerung des Taxi-, Bus- und Zuliefererverkehrs und die Organisation des Mietwagenparkens zuständig.

Hohe Kundenzufriedenheit

Doch vor allem sind sie oft der erste und letzte Kundenkontakt und tragen damit eine besondere Verantwortung. Ramazan Ciftci arbeitet seit sieben Jahren als Einsatzleiter beim Parkraummanagement, er weiß:

„Ein herzliches Willkommen und ein unkomplizierter Parkvorgang reduzieren deutlich den Stress vor dem Reiseantritt.“

Bei der Rückreise ist es ähnlich. Vielleicht hatte der Kunde einen unruhigen Flug, eventuell folgten Wartezeiten bei der Passkontrolle, anschließend musste er sich ums Gepäck kümmern.

„Der Passagier will dann nur noch so schnell wie möglich nach Hause“, berichtet Ciftci, „deshalb ist eine professionelle und reibungslose Abwicklung des Parkvorgangs erforderlich, um ein positives Bild zu hinterlassen.“ Und das gelingt vorzüglich: Stolze 98 Prozent der Parkhaus-Kunden, die im Voraus ihren Parkplatz gebucht haben, geben nach der Reise an, dass sie gerne wiederkommen werden.

Hilfreiches Netzwerk

Ciftci arbeitet seit dem Jahr 2000 am Flughafen. Der gelernte Elektriker begann auf dem Vorfeld als Frachtfahrer, wechselte dann zur Airport-Security und ließ sich zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit ausbilden. 2005 begann er beim Parkraummanagement als Verkehrscontroller, fünf Jahre später avancierte er zum Einsatzleiter.

Damit nicht genug: Bereitwillig nahm er die Gelegenheit wahr, mithilfe des konzerninternen Personalentwicklungsprogramms „Take-off-Pool“ (TOP) „über den Tellerrand hinauszuschauen“, wie er es selber formuliert, „dank der Schulungen bezüglich Projektmanagement und Führungsstrategien konnte ich meine Kenntnisse und Fähigkeiten erweitern.“

Business Parking Frauenparkplatz

Durch den Einsatz in verschiedenen Abteilungen und während eines Auslandspraktikums baute er zudem ein Netzwerk im Unternehmen auf, „das bis heute sehr wertvoll für mich ist und mir bei der Bewältigung meiner Aufgaben hilft.“

Maßgeschneiderte Angebote

Verschiedene Kundengruppen unterscheiden die Parkraummanager: Da gibt es beispielsweise den Kurzparker, der den Stellplatz nur für wenige Stunden in Anspruch nimmt. Der Geschäftsreisende parkt sein Fahrzeug in der Regel bis zu drei Tage. Die Urlauber-Familie stellt das Auto oft für ein oder zwei Wochen ab. Um diesen verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, entwickeln die Parkraumspezialisten maßgeschneiderte Angebote, so zum Beispiel das Business Parking mit kurzen Wegen zum Terminal oder „Park, Sleep & Fly“ inklusive Übernachtung im 4-Sterne-Hotel.

Wer seine Luxuskarosse sicher verwahrt wissen möchte, bucht das „Tresorparken“ des Fraport-Kooperationspartners „Airport Car Service“ (ACS). Dort kann er auch eine Inspektion oder Reinigung durchführen lassen – und der frische Blumenstrauß für die Gattin liegt, dank Concierge-Service, bei der Rückkehr auf dem Beifahrersitz bereit.

Auch das Angebot für Elektrofahrzeuge wird kontinuierlich ausgebaut. So werden noch in diesem Jahr zu den bereits bestehenden weitere Ladestationen an beiden Terminals zur Verfügung gestellt.

Verschollene Fahrzeuge

Doch zurück ins Parkhaus und in die Leitzentrale, in der Ramazan Ciftci auf verschiedenen Monitoren das Verkehrsgeschehen verfolgt. Ab und zu knackt es im Lautsprecher, ein Autofahrer meldet ein Problem an einer der Schranken. Meistens reicht es, das Ticket neu einzuschieben, doch was tun, wenn das Ticket komplett verschwunden ist? Oder der Fahrer verzweifelt sein Auto sucht?

Dank ihres Parkhausgespürs reichen Ciftci und seinem Team meist wenige grobe Hinweise, um das verschollene Fahrzeug wieder ausfindig zu machen. „Bei Kurzparkern versuchen wir, den Weg, den sie genommen haben, anhand bestimmter Merkmale nachzuvollziehen und so den Parkbereich einzugrenzen“, erklärt Ciftci. Die regelmäßige Erfassung der Fahrzeuge pro Parkreihe hilft weiter, wenn die Fluggäste nach längerer Abwesenheit ratlos die Stockwerke durchstreifen.

„Natürlich wird bei fehlendem Parkticket überprüft, ob der Kunde berechtigt ist, das Fahrzeug mitzunehmen“, sagt Ciftci, „einen Personalausweis sollte er vorlegen können, im Idealfall den Fahrzeugschein.“ „Bis Ende des Jahres werden wir die Parkebenen am Terminal 1 mit einem Farbschema codieren, damit sich die Kunden noch einfacher orientieren können“, erklärt Kristina Moll.

Wenn der Hund weg ist

Doch nicht nur Autos oder Tickets gehen verloren. „Auch entlaufene Haustiere haben wir des Öfteren“, berichtet Ciftci, „erst kürzlich war ein kleiner Dackel im Parkhaus ausgebüxt. Zwei Tage lang hat der Besitzer nach ihm gesucht, dann fand ihn einer unserer Mitarbeiter. Bis sein Herrchen eintraf, haben wir das verängstigte Kerlchen ordentlich verwöhnt, er hat jede Menge Streicheleinheiten bekommen.“

Persönlicher Faktor ist wichtig

Blicken wir zum Schluss in die Zukunft – und die wird spannend in den Parkhäusern an Europas viertgrößtem Luftverkehrsdrehkreuz. Langfristig wird das Thema „Autonomes Fahren und Parken“ eine Rolle spielen, dazu findet bereits ein intensiver Austausch mit Automobilherstellern und Zulieferern statt, „denn wir brauchen zwei intelligente Systeme: im Auto und im Parkhaus“, sagt Moll.

Der Einsatz von Parkrobotern hingegen steht nicht zur Debatte. „Sie sind wirtschaftlich nicht rentabel. Die Prozesse sind zu langsam und aufwändig“, erklärt Ciftci. Und noch ein Faktor ist entscheidend, wie bei allen Service-Angeboten am Flughafen: Der Passagier mag es komfortabel und modern, doch die persönliche Note darf nicht fehlen.

Die Parkplatz-Manager:

Die Fraport AG zählt zu den größten Parkraummanagern Europas, insgesamt bewirtschaftet der Fachbereich „Parkraummanagement und landseitige Verkehrsanbindung“ rund 57.000 Pkw-Stellplätze, davon 33.000 allein am Flughafen. Neben den Terminalparkhäusern, The Squaire Parking und Gateway Gardens werden auch Objekte außerhalb des Flughafengeländes betreut, zum Beispiel die Messe Frankfurt mit rund 20.000 Stellplätzen sowie die Parkflächen der Commerzbank Arena.

Link: https://www.frankfurt-airport.com/de/reisen/parken.html