Die Baum-Schüler: Fraport-Umweltfonds unterstützt junge Klimabotschafter

J.Heppner Flughafen

Martin Luther sprach einst: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Millionen von Kindern auf der ganzen Welt haben seit 2007 rund 14 Milliarden Bäume gepflanzt, damit die Welt nicht untergeht.

Im Frankfurter Stadtwald bei Oberursel sind jüngst weitere 250 Bäume hinzugekommen. Die Frankfurter Schüler Luis Neises, Mirko Vukovic und Moritz von Winning haben die Pflanzaktion im Rahmen einer Kinderakademie mit Unterstützung des Fraport-Umweltfonds organisiert.

Unbeeindruckt von der ehrwürdigen Aura des Gebäudes erkunden an diesem Morgen rund 80 Schülerinnen und Schüler neugierig den Plenarsaal der Stadtverordnetenversammlung im Frankfurter Römer. Moritz, Luis und Mirko haben ihre Plätze hinter dem Rednerpult schon eingenommen und testen die Mikrofonanlage.

Normalerweise leiten von dort der Stadtverordnetenvorsteher und seine Beisitzer die Versammlung, heute übernimmt das junge Trio den Vorsitz für die erste Frankfurter Kinderakademie der Initiative „Plant-for-the-Planet“ (siehe auch Info-Kasten).

Gefahren und Ziele

Ohne Umschweife steigen die drei Sechstklässler ins Thema ein, erklären kurz und prägnant den Treibhauseffekt, die Folgen des Klimawandels, die drohenden Gefahren für die Menschen und die Ziele der Kinderinitiative „Plant-for-the-Planet“.

„Zeitjoker“ nennt Luis die Milliarden von neu gepflanzten Bäumen, die helfen sollen, die Folgen des Treibhauseffektes hinauszuzögern und so wertvolle Zeit zu gewinnen, um effizientere Umwelt-Technologien zu entwickeln. Moritz, Luis und Mirko wissen, dass damit schon einiges erreicht wäre.

Diskussionen mit den Eltern

Aufmerksam hören die Kinder im Plenum zu, stellen Fragen, vertiefen anschließend die Erkenntnisse in spielerischen Gruppenarbeiten. Marleen ist zehn Jahre alt und diskutiert daheim öfter mit ihren Eltern, ob man zum Beispiel heute noch ein Auto braucht.

Auch Moritz, Klimabotschafter seit 2015 und einer der Organisatoren, kennt diese Gespräche. Sein Vater arbeitet im Management des Flughafenbetreibers Fraport, seine Mutter ist Geschäftsführerin der Frankfurter Anlaufstelle für Nachhaltigkeit „Lust auf besser Leben gGmbH“. Das Netzwerk ist Kooperationspartner der Kinderakademie, die Fraport AG tritt als Unterstützer auf.

Für Moritz bedeutet das keinen Widerspruch, wie er bei der Begrüßung ausdrücklich unterstreicht: „Die Kritik, dass Fraport uns sponsort, ist teilweise berechtigt. Aber wenn wir ausschließlich klimaneutrale Unternehmen ansprechen würden, schränken wir uns zu sehr ein. Dann fehlen die finanziellen Mittel und wir schaffen unser Ziel nicht, nämlich 1.000 Milliarden Bäume bis zum Jahr 2020 zu pflanzen.“

Fraport-UmweltfondsDrei Förderschwerpunkte

Diese Zielstrebigkeit hat auch Thi Quyen-Thuy Nguyen imponiert. „Moritz war bei uns, um das Projekt persönlich vorzustellen, und das hat er sehr überzeugend gemacht“, erzählt sie. Nguyen ist beim Fraport-Umweltmanagement für den Umweltfonds zuständig, der seit 20 Jahren Naturschutz- und Umwelt-Projekte in der Flughafen-Nachbarschaft fördert und die Kinderakademie mit 8.000 Euro unterstützt.

„Wir haben drei Förderschwerpunkte, das sind Klimaschutz, Biodiversität und Umweltbildung. Die Aktion von Moritz passte perfekt in alle drei Kategorien“, erläutert sie. Durch Kooperationen mit Städten und Kommunen, Naturschutzverbänden und Vereinen konnten seit 1997 über 950 Einzelmaßnahmen umgesetzt werden. Vor wenigen Monaten erst hat der Flughafenbetreiber den Umweltfonds bis 2025 auf fünf Millionen Euro aufgestockt.

Eine institutionelle Förderung findet nicht statt, ebenso sind der Ankauf von Flächen und Gebäuden sowie Baumaßnahmen ausgeschlossen. Weitere Voraussetzung: Das Projekt muss im Nachbarschaftsrahmen des Flughafens angesiedelt sein.

Fraport-UmweltfondsLeidvolle Erfahrung

Umweltschutzprojekte sind oft mit großem finanziellen Aufwand verbunden, die öffentlichen Kassen wiederum sprudeln spärlich, wie auch Moritz bei seiner Suche nach Unterstützung leidvoll erfahren musste. Diese Lücke wolle man schließen.

„Der Flughafen bringt der Region und seinen Anwohnern viele Vorteile, aber auch Belastungen“,

erklärt Nguyen, „dieser gesellschaftlichen Verantwortung ist sich Fraport bewusst. Wir fördern daher Maßnahmen wie diese Kinderakademie, weil sie den Menschen und der Umwelt etwas zurückgibt.“

Entscheidung beim Gesamtvorstand

Seit sieben Jahren betreut die gebürtige Hanauerin den Umweltfonds, sie sichtet die Anträge und reicht eine Vorauswahl an den Gesamtvorstand weiter, der die Entscheidung trifft.

Dass sie in der Öffentlichkeit mitunter auf erhöhten Erklärungsbedarf stößt, weil Skeptiker das Umweltengagement von Fraport kritisch hinterfragen, stört sie nicht: „Im Gegenteil. Die Arbeit am Flughafen ist ohnehin schon faszinierend. Sich in diesem Spannungsfeld zu bewegen und die Projekte, die vielen zugutekommen, zu ermöglichen, ist eine zusätzliche und sehr schöne Herausforderung.“

Pflanzaktion im Wald

Das Bienenförderprojekt „Frankfurt summt“ zählt ebenso zu den zahlreichen Maßnahmen wie ein neuartiges Vertikalwindrad, das Studenten der TU Darmstadt entwickelt haben. Erst kürzlich wurde das Online-Portal www.naturpfade.digital vorgestellt, das vielfältige Informationen zu interessanten Natur-Beobachtungsgebieten in Hessen bereitstellt.

Und bei Oberursel wachsen jetzt auf einer Sturmfläche im Wald rund 250 neue Fichten und Buchen, die die Kinder für „Plant-for-the-Planet“ eigenhändig gepflanzt haben. Rosemarie Heilig, Frankfurts Dezernentin für Umwelt und Frauen, ist Schirmherrin der Akademie: „Als Moritz mich um Unterstützung bat, habe ich sofort zugesagt.“

Fraport-UmweltfondsSie hat nicht nur den Sitzungssaal organisiert, sondern begleitet die Kinder den ganzen Tag. „Ich bin sehr stolz, dass wir zum ersten Mal die Kinderakademie in Frankfurt haben“, erklärt sie und überreicht am Ende den Teilnehmern eine Urkunde, mit der sie selbst als Klimabotschafter in der Schule oder im Verein aktiv werden können. „Macht das! Erzählt es weiter, setzt etwas in Gang“, gibt Heilig ihnen mit auf den Weg.

„Die Erwachsenen tun ja nichts“

Auf Moritz von Winning wartet bereits der nächste Botschafter-Auftritt: Bei den Bensheimer Umwelttagen wird er vor rund 300 Erwachsenen sprechen. Nervös? Vielleicht, ein bisschen. Doch das Ziel ist wichtiger: „Wir Kinder müssen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen. Es geht nicht nur darum, die Umwelt zu schützen, sondern die Kinder zu schützen und zu retten. Die Erwachsenen tun ja nichts.“

Die 14 Milliarden Bäume, die seit Beginn der Aktion weltweit gepflanzt wurden, sind nur ein Anfang.

Fraport-UmweltfondsPlant-for-the-Planet:

„Plant-for-the-Planet“ wurde vor zehn Jahren von dem damals neun Jahre alten Felix Finkbeiner gegründet. Bei seinen Recherchen zu einem Klassenreferat stieß der Schüler auf die 2011 verstorbene Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai aus Kenia, die in 30 Jahren 30 Millionen Bäume gepflanzt hat.

Felix entwickelte die Idee, Kinder könnten in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen und so gemeinsam das Weltklima verbessern und die Erderwärmung bremsen. Bereits in den ersten acht Jahren pflanzten nach Angaben der Stiftung „Plant-for-the-Planet“ Kinder und Erwachsene in über 100 Ländern mehr als 14 Milliarden Bäume.

In der Kinderakademie beschäftigen sich Kinder der dritten bis siebten Klasse mit den Ursachen und Folgen der Klimakrise. Das Besondere: Kinder ermutigen Kinder, sich zu engagieren. Von Gleichaltrigen erhalten die Jungen und Mädchen wichtiges Hintergrundwissen zur Klimakrise und erfahren, wie viel Spaß es macht, selbst aktiv zu werden.

Am Ende der Akademie werden die Kinder zu Botschaftern für Klimagerechtigkeit ernannt und tragen die Idee auf ganz persönliche Weise in ihre Schulen, Familien und Gemeinden. Bis heute haben in 53 Ländern rund 970 Akademien mit rund 55.000 Kindern und Jugendlichen stattgefunden.