Der erste Eindruck zählt: glänzend und sauber am Frankfurt Airport

J.Heppner Flughafen

Sauber

Es ist eine Kunst für sich, einen Ort, an dem an Spitzentagen bis zu 214.000 Passagiere gezählt werden und zudem mehrere Tausend Besucher und Beschäftigte unterwegs sind, stets ansprechend und vor allem sauber zu präsentieren.

Am Flughafen Frankfurt sorgen unter anderem Cleaning Inspectors wie Tobias Degitz dafür, dass sich die Fluggäste in den Terminals wohlfühlen.

Mit den Augen eines Passagiers

Wenn Tobias Degitz am Flughafen Frankfurt einen Waschraum betritt, setzt er seine imaginäre Passagierbrille auf und stellt sich die schlichte Frage: Gefällt es mir hier?

„Dieser erste Eindruck ist ein wesentliches Kriterium. Er entscheidet darüber, ob sich der Passagier an diesem sensiblen Ort wohlfühlt“, erklärt Degitz.

Er ist Cleaning Inspector und Sachbearbeiter für das Fraport-Gebäudereinigungs-Management tätig ist. Für die Passagiere ist Sauberkeit eines der wichtigsten Qualitätssiegel. Überhaupt, entsprechend sorgfältig und vor allem ausgeklügelt agieren die Reinigungs-Profis von Fraport.

Reinigung im Terminal

Reinigung im Terminal

Rund um die Uhr sauber

Knapp 61 Millionen Fluggäste sind im vergangenen Jahr von Frankfurt aus gestartet oder hier gelandet. Reinigung nach Schema F das funktioniert an einem Flughafen dieser Größenordnung nicht. In Bürogebäuden ziehen die Reinigungsteams los, wenn die Beschäftigten nach Hause gegangen sind.

Am größten Luftverkehrsdrehkreuz Deutschlands arbeiten die beauftragten Firmen im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

Riesiger Bedarf

Der Bedarf ist riesig: 627.000 Quadratmeter Bodenfläche in den Terminals, Fluren und Büros werden auf Hochglanz gebracht, ebenso rund 570 WC-Räume sowie 370.000 Quadratmeter Glas- und Fassadenflächen.

An Spitzentagen, etwa in den Sommerferien, werden mehr als  210.000 Passagiere begrüßt. „Es gibt Waschräume, da kommen und gehen täglich bis zu 5.000 Fluggäste“, erklärt Degitz, „dort sind die Reinigungskräfte permanent im Einsatz.“

Tag und Nacht surren Aufsitz-Scheuersaugmaschinen durch die Hallen, parallel säubern die Mitarbeiter die verwaisten Schalter, Sitzmöbel oder Glasflächen. Hinzu kommen Spezialeinsätze wie zum Beispiel die Reinigung der Rolltreppen oder Küchenabluftanlagen.

Wichtiges Signal

Nach seiner Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik wechselte Degitz vor gut zehn Jahren zum Gebäudereinigungs-Management. „Mir gefällt die Mischung“, sagt der 35-Jährige, „ich mag die Arbeit im Büro, aber ich bin auch sehr gern am Flughafen unterwegs. Und mein Job bringt es zum Glück mit sich, dass ich immer wieder in ganz unterschiedlichen Bereichen zu tun habe.“

Mit Aufsitz-Scheuersaugmaschinen werden die Böden gereinigt

Mit Aufsitz-Scheuersaugmaschinen werden die Böden gereinigt

Fast täglich dreht er seine Kontrollrunde im Terminal 1. Ist alles blitzblank für die Feierlichkeiten einer Airline im Gate A17? Sind die letzten Spuren der Umbaumaßnahme an Gate Z 25 beseitigt? Wie sieht der Spielplatz in Flugsteig Z aus? Ist in den benachbarten Waschräumen alles in Ordnung?

Irritierte Blicke auf der Damen-Toilette gehören der Vergangenheit an, seitdem Degitz und seine Kollegen weiße Westen tragen, auf denen in blauen Lettern „Cleaning Inspector“ steht.

Gleichzeitig sendet die persönliche Präsenz ein wichtiges Signal: Der Fluggast sieht, dass sich ein Mensch, den er sogar direkt ansprechen kann, um seine Bedürfnisse kümmert. Das steigert zusätzlich das subjektive Wohlbefinden. Die hohe Passagierzufriedenheit in Frankfurt – 82 Prozent der Fluggäste äußern sich positiv zur Sauberkeit in den Terminals – rührt auch von diesem Engagement her.

Vielseitiger Alltag

Doch zurück zu Tobias Degitz, der mittlerweile wieder im Büro sitzt und sich einer neuen Aufgabe widmet: Pflege-Informationen prüfen. Denn ob Gaming World, Silent Chairs oder die neuen begrünten Bereiche in den Terminals – welches der sehr unterschiedlichen Materialien darf wie und vor allem womit gereinigt werden?

Und auch das ist nur ein kleines Puzzleteil in seinem Berufsalltag. Zwölf Team-Mitglieder kümmern sich unter der Führung von Erik Balmes und Sandra Stevanovic um insgesamt 428 Immobilien am Flughafen – inklusive Bau- und Projektreinigung, Desinfektion, Sonderreinigung und einiges mehr.

Schnell und flexibel

Umso wichtiger sind unterstützende Kontrollinstrumente, die eine ausgeklügelte und vor allem perfekte Reinigung ermöglichen. So erfolgt seit 2015 der Einsatz des Personals flexibel und vor allem passagierorientiert: Entsprechend der Passagierströme organisiert der Dienstleister die Abläufe und schickt die Teams gezielt zu den Gates, an denen gerade eine Maschine abgefertigt wurde.

Ein Blick auf den Flugplan sowie die aktuellen Gate-Belegungen, sollte es zum Beispiel zu Verspätungen kommen, sind ebenfalls unverzichtbar.

Tobias Degitz prüft bei seinen Rundgängen auch die Sauberkeit der Waschräume

Tobias Degitz prüft bei seinen Rundgängen auch die Sauberkeit der Waschräume

Digitale Hilfsmittel

Um stets eine akkurate Reinigungsqualität zu gewährleisten, wurde zusätzlich eine App entwickelt, mit der Degitz und seine Kollegen mittels eines Schulnotensystems die Sauberkeit vor Ort detaillierter dokumentieren und an die Firmen weiterleiten. Die digitale Überprüfung kommt nicht nur in den WC-Anlagen und an den Gates zum Einsatz, sondern unter anderem auch in den Abflughallen, Fluren und Treppenhäusern.

Damit die Passagierströme in Zukunft noch besser erfasst werden können, fand zudem ein Testbetrieb von festinstallierten Deckenzählern in den Eingangsbereichen der WC-Anlagen des Terminals 1 und 2 statt. Die kleinen Kästchen, die optisch einem Rauchmelder Ähneln, zählen Nutzer mittels einer eingebauten Wärmebildkamera. Der Probebetrieb verlief vielversprechend, weitere Geräte werden folgen.

Grün oder rot

Darüber hinaus kann auch der Fluggast jederzeit seine Zufriedenheit (oder seinen Unmut) aktiv kundtun: Im vergangenen Jahr wurden an den Sicherheitskontrollstellen, in der Gepäckausgabe, an den Informationsschaltern und in vielen WC-Anlagen sogenannte Smiley-Boxen installiert.

Die Boxen, ergänzt durch mobile Stelen in den Gates, haben grüne, gelbe und rote Smiley-Knöpfe mit entsprechender Mimik und werden fleißig fürs spontane Feedback genutzt, wie Degitz berichtet.

Auch hier steht die schnelle, flexible Problemlösung an erster Stelle: Wird zum Beispiel in einer vorgeschriebenen Zeitspanne mehrere Male der rote Smiley gedrückt, erfolgt eine Meldung beim Reinigungs-Dienstleister. Dieser schickt umgehend eine Fachkraft vorbei, um den entsprechenden Bereich zu kontrollieren und gegebenenfalls zu säubern.

Subjektives Wohlgefühl

Denn oft sind es Kleinigkeiten. Hier eine zerknüllte Brötchentüte, dort Kaffeespritzer auf dem Boden oder ein überquellender Papiereimer neben dem Waschbecken – die subjektive Wahrnehmung von Verschmutzung, die zu einem getrübten Wohlgefühl führt, ist fließend. Damit die Passagiere den Flughafen Frankfurt stets in glänzender Erinnerung behalten, sind viele Menschen rund um die Uhr im Einsatz und kümmern sich um diese Details. Dafür drücken Gäste dann gern den grünen Smiley.