Brenzlige Souvenirs: Gefahrgutexperte gibt Tipps für sicheres Gepäck

J.Heppner Reisewelt

Obwohl große Informationstafeln in den Terminals darüber aufklären, was im Gepäck beziehungsweise Handgepäck erlaubt ist und was nicht, passiert es immer wieder, dass die aufmerksamen Kontrolleure fündig werden. Gefahrgutexperte Michael Philippi erklärt, welche scheinbar harmlosen Gegenstände nicht oder nur unter bestimmten Umständen erlaubt sind.

Das Ehepaar aus Wiesbaden hat vor dem Abflug nach Rhodos an alles gedacht. Günter Koch ist schon lange der lädierte Fensterrahmen im Bad der Zweitwohnung auf der griechischen Ferieninsel ein Dorn im Auge, also hat er Lackdose und Pinsel eingepackt.

Ehefrau Barbara will die Küche gründlich reinigen, deshalb ist eine Backofenspraydose im Koffer verstaut. Außerdem wartet auf ihren Mann eine besondere Geburtstagsüberraschung, bei der 55 Wunderkerzen im Gepäck eine Rolle spielen sollen.

Warnlampe beginnt zu blinken

Bei Michael Philippi würde jetzt gleich drei Mal die Warnlampe blinken. „Wenn eine Spraydose brennbares Treibgas enthält oder der Inhalt weder kosmetisch noch medizinisch indiziert ist, dann ist es strikt verboten, Spraydosen im Koffer aufzugeben“, sagt der Experte für Gefahrgut. Wunderkerzen haben ebenfalls, wie alle Explosivstoffe, an Bord nichts zu suchen, ebenso entzündbare Flüssigkeiten wie Lacke und Farben.

GefahrgutAm Flughafen Frankfurt befinden sich überall Informationstafeln, die auflisten, was nicht ins Handgepäck oder in den Frachtraum darf: Explosivstoffe, entzündliche Stoffe, Gifte, ätzende Stoffe, oxidierendes oder radioaktives Material, Gase, Druckbehälter.

Doch das Ehepaar Koch ist kein Einzelfall. Knapp 50 Prozent der Passagiere, so eine aktuelle Umfrage unter Flugreisenden, hat schon einmal unabsichtlich versucht, einen verbotenen Gegenstand mit an Bord zu bringen.

Sei es aus Unkenntnis oder aus Vergesslichkeit, wenn vom letzten Campingurlaub noch das Taschenmesser im Rucksack steckte. Das summiert sich auf bis zu 90.000 Gegenstände, die im vergangenen Jahr an deutschen Flughäfen dank akkurater Sicherheitskontrollen durch sorgfältig geschulte Beschäftigte dem Gepäck entnommen wurden.

Feuerzeug und Taucherlampe

Die Palette reicht von Benzin- und Sturmfeuerzeugen über Gaskartuschen für den Campingkocher bis zur Taucherlampe. Taucherlampe? „Schaltet sich eine Taucherlampe versehentlich im Koffer ein, weil dieser einen Schlag bekommt, entwickeln sie eine enorme Hitze“, erklärt Philippi, „deshalb dürfen sie nur mitgenommen werden, wenn vorher die Stromquelle entfernt wurde. Oder sie leuchten mit LED.“

Das Gefahrgut, das das aufmerksame Personal bei der hundertprozentigen Reisegepäckkontrolle aussortiert, wird entweder entsorgt oder wandert ins Fundbüro des Flughafens. Hier ist zum Beispiel ein Regalfach nur für Kettensägen reserviert – denn viele haben vom Funktionstest im Werk kleine Restmengen Kraftstoff im Tank.

In einem Stahlschrank liegen zahlreiche Zippo-Feuerzeuge sorgfältig einzeln eingetütet und mit der Flugnummer beschriftet, um sie dem Besitzer später zurückzugeben.

Beratung und Schulung

Philippi begann 1986 in der Frachtabfertigung am Flughafen Frankfurt. „Zwei Jahre später suchte man Verstärkung für die Gefahrgutannahme. Durch meine Arbeit beim Technischen Hilfswerk lag es nahe, dass ich mich um solche besonderen Sendungen kümmere“, erzählt er.

Heute fungiert der 56-Jährige bei der medical airport service GmbH, einer Tochterfirma der Fraport AG, als Teamleiter Gefahrgut und Strahlenschutzbeauftragter, führt entsprechende Schulungen durch und berät alle Kunden, die Gefahrgut transportieren oder lagern müssen.

„Als Gefahrgut werden Stoffe bezeichnet, die aufgrund ihrer chemischen oder physikalischen Eigenschaft eine Gefahr für Leben und Gesundheit bedeuten“, erklärt Philippi.

Stets neue Herausforderungen

Es gibt angenehmere Themen, mit denen man sich beschäftigen könnte, doch der Fachmann winkt ab: „Dieses Geschäft ist hochinteressant, weil es immer wieder Überraschendes bereithält. Der technologische Fortschritt zwingt einen dazu, sich ständig neuen Anforderungen zu stellen.“

Ein Beispiel: Mittlerweile gibt es Winterjacken mit eingebautem Heiz-Akku; ebenso hat intelligente Kleidung, die mit verschiedenen Sensoren ausgestattet ist, bereits den Prototypen-Status hinter sich gelassen.

GefahrgutWissenslücke bei Batterien

Schon jetzt gelten für Lithium-Ionen-Akkus in Smartphones oder Kameras spezielle Transport-Vorschriften. „Ersatz-Batterien und -Akkus dürfen Sie nur einzeln verpackt im Handgepäck transportieren“, sagt Philippi. Denn auch hier gilt: Was in der Kabine unproblematisch ist, kann während des Fluges im nicht zugänglichen Frachtraum brenzlig werden.

Ein Lithium-Ionen-Akku heizt sich, zum Beispiel nach einem Kurzschluss, in kürzester Zeit auf mehr als 1.000 Grad auf. Der Gefahrgut-Experte warnt daher vor einer weiteren Wissenslücke: „Wer sein gebrauchtes Smartphone im Internet versteigert und per Luftpost verschickt, macht sich ebenfalls strafbar.“

Verbotenes Mitbringsel

Neu im Sortiment sind auch die sogenannten E-Zigaretten, die ebenfalls über einen Akku verfügen und aus diesem Grund nur im Handgepäck erlaubt sind. Streichhölzer und Feuerzeuge dürfen weder ins Handgepäck noch in den Koffer, sondern müssen ausschließlich am Körper transportiert werden. Der Grund: Das Feuerzeug könnte auslaufen und eine Explosion verursachen; zwei Streichholzbriefchen, die aneinander reiben, könnten sich entzünden.

Ein beliebtes Reise-Souvenir ist auch die Shisha-Kohle für Wasserpfeifen. „Das Zeug brennt wir verrückt“, sagt Philippi trocken, „deshalb ist es an Bord komplett verboten.“

Piktogramme informieren

Generell rät der Spezialist jedem Fluggast: „Machen Sie sich Gedanken, was Sie in Ihren Koffer oder ins Handgepäck packen.“ Oft reicht ein Blick auf die Gefahrgut-Piktogramme auf den Behältern, das Flammensymbol beispielsweise signalisiert „Warnung vor feuergefährlichen Stoffen“.

Weitere Informationen stehen zudem auf der Internetseite des Flughafens. „Das ist das Schöne an meiner Arbeit: Ich helfe, potentielle Gefahrenlagen zu verhindern“, sagt Philippi lächelnd. Und so kann auch das Ehepaar Koch – ohne Lack, Wunderkerzen und Backofenspray – eine gute und vor allem sichere Reise auf ihre griechische Trauminsel antreten.